Deutschlandfond nicht nachhaltig

Deutsche Staatsanleihen würde man in einem nachhaltigen Fond nicht finden.  Nachhaltigkeitsfonds dürfen nur 10% Atomstromerzeugung enthalten.  In Deutschland werden jedoch 18% Atomstrom erzeugt.

Was sind nachhaltige Fonds?

Zunächst ein kleines Schmankerl aus der Öko-Test Online-Redaktion:
Deutschlandfond nicht nachhaltig

Das zeigt doch einmal mehr, dass wir auf nachhaltiges Wirtschaften angewiesen sind. Es zeigt aber auch die hohe Präsenz der Erdöl- bzw. Steinölindustrie (Es ist eine deutsche Eigenart, Steinöl bzw. Petroleum bzw. das Ölgemisch, was man zum Fahren braucht, als Benzin zu bezeichnen. Jemand meinte mal, nur, weil es mal einen Autobauer dieses Namens gab, sei dies noch lange kein Grund, diesen Rohstoff so zu nennen.  Die Bezeichnung „Benzin“ hat  überdies nichts mit dem zu tun, was diesen Rohstoff ausmacht. „Benzin“ sagt im Gegensatz zu „Erdöl“ nichts über die Herkunft aus. Diese Art der Benennung für Dinge sei eine Art deutsche Selbstüberschätzung. Das trifft zumindest für den Ölbruder Diesel zu. Benzin kommt angeblich von Benzol- aber genug der Sprachphilosophie).

Ein anderer Artikel zeigt, dass manche Investitionsangebote auf wackeligen Beinen stehen. In einem Fall hatte ein Anbieter nur Eigentum an Olivenbäumen erworben, nicht aber Eigentum auch über die Felder bzw. das Grundstück. Dies und wohl noch andere Tatsachen führten zunächst dazu, dass zunächst die Schweizerische Bankaufsicht, später die deutsche BaFin dem Anbieter Thomas Lommel die Geschäfte untersagten. Nun muss der Investor die eingesammelten Anlagegelder „unverzüglich und vollständig“ zurückzahlen. Ob sich Lommel dagegen wehrt, ist nicht bekannt (aus: Öko Test vom 5.2. 2018, abgerufen am 22.8.2018 um 15.00 Uhr: https://www.oekotest.de/geld-versicherungen/news/Gruene-Geldanlagen-Nach-OeKO-TEST-Untersuchung-BaFin-ordnet-Abwicklung-an_600106_1.html).

Nun aber zu den Fonds: Gibt es welche und wenn ja, inwieweit sind sie nachhaltig, bzw. was heißt Nachhaltig?

Der Vergleichstest zeigt:

Es gibt einen Fond, der 100% den Anforderungen entspricht, was heißt: Erwachsenenarbeit mit Nachwachsenden Rohstoffen zu Menschenrechtskonformen Bedingungen. Die Angaben sind z.T. von den Fondsanbietern selbst und sind daher relativ. Es könnte eine Recherche dazu folgen. Was Nachhaltigkeitssiegel betrifft, gibt es gar keins, wenn man der Argumentation von Öko Test, Heft 4/2018 folgt (S.117), bzw. sich weiter unten in diesem Artikel die unterschiedlichen Kriterien ansieht, wie sie eingehalten werden und wie man das überprüft bzw. eben nicht prüft.

Auch wenn die EU Nachhaltige Fonds fördern will, ist das in der Gesamtgeldgeberwirtschaft wohl noch nicht angekommen. Der Anteil nachhaltiger Fonds steigt zwar, jedoch ist die Mehrheit der Fonds immer noch wenig Umweltbewusst.

Was immerhin funktioniert, ist, mit den Fonds Rendite zu erwirtschaften. Das funktioniert sogar mit dem, der 100% den Kriterien für Nachhaltigkeit entspricht. Das lässt durchaus den Schluss zu, dass es vielleicht sogar mehr von diesen Nachhaltigen Fonds geben könnte, auch aus Kapitalanlegersicht. Was ist mit den anderen Fonds, sind sie nun unethisch oder „dreckig?“ Hierzu genaueres aus den Berichten:

 

Aus:  https://www.finanzen.de/news/15608/stiftung-warentest-testet-46-nachhaltige-fonds-nur-einer-ueberzeugt (Abfrage vom 20.8.2018 um 14.10):

Aus: Finanztest: https://www.test.de/Ethisch-oekologische-Fonds-So-legen-Sie-sauber-an-4741500-0/ (Abfrage vom 20.8.2018, 14.27Uhr):

3 Kriterien:

  • Keine geächteten Waffen ((d.h. es gibt auch „saubere“ Waffen?!) Es gibt Fonds, die sämtliche Waffen ausschließen)
  •  Keine Betreiber von Atomkraftwerken
  •  Keine Firmen, die Arbeits- und Menschenrechtsverstöße dulden

Weiter schreibt Finanztest:

Die Unternehmenskriterien im Detail

Insgesamt haben wir neun Ausschlusskriterien für Unternehmen definiert, die sich teilweise in Haupt- und Unteraspekte aufgliedern. Um ein Ausschlusskriterium voll zu erfüllen, muss der Hauptaspekt erfüllt sein.

Atomkraft

Hauptaspekt ist hier der Betrieb von Atomkraftwerken, Nebenaspekte sind Uranabbau und Herstellung von Kernkomponenten für Atomkraftwerke.

Geächtete Waffen

Darunter fällt die Produktion von Streumunition und Land. minen. Fonds, die sämtliche Waffen ausgeschlossen haben, investieren außerdem nicht in die Produktion von ABC-, Kriegs- sowie Handfeuerwaffen, Uranmunition und weiterer Rüstungsgüter. Ausgenommen sind so genannte Dual-Use-Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.

Fossile Brennstoffe

Hierzu zählt haupt­sächlich die Kohle­förderung, weitere Aspekte sind die Förderung von Öl und Gas, die Ölsand­verwertung und die Stromgewinnung aus Kohle, Öl und Gas.

Glücksspiel

Hier geht es um die Entwicklung und Herstellung von Glücksspiel sowie deren Verbreitung, zum Beispiel den Betrieb von Casinos.

Korruption

Das Kriterium beinhaltet kontroverse Wirtschaftspraktiken wie Bestechung, Veruntreuung oder auch Betrug.

Menschen- und Arbeitsrechte

Hauptaspekte dieses Kriteriums sind Kinderarbeit sowie die Verletzung von Menschen­rechten. Weitere Aspekte sind Zwangsarbeit, Verletzung von Gewerkschaftsrechten und Verstöße gegen Gleichbehandlung.

Pornografie

Hier geht es um die Produktion und den Vertrieb von Pornografie über verschiedene Kanäle.

Umstrittene Landwirtschaft

Hauptaspekt ist hier die industrielle Tierhaltung. Zusätzliche Aspekte sind die Landwirtschaft mit intensivem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie Agrar-Gentechnik.

Zerstörung von Ökosystemen

Hauptaspekt sind langlebige organische Schadstoffe, die giftig sind und in die Nahrungskette gelangen können. Ein weiterer Aspekt ist die Produktion von Palmöl.

 

Bei Staaten werden die Kriterien insofern angewendet, als sie sich z.B. dem Klimaabkommen von Paris angeschlossen haben müssen. Beim Atomstrom dürfen nur 10% der Stromerzeugung von Atomstrom kommen.

 

Was Atomstrom betrifft, könnte man, wie Eingangs schon erwähnt, demnach nicht mit Deutschland verhandeln.  Gemäß Statistischem Bundesamt wurde 18% brutto aus Atomstrom erzeugt im Jahr 2017 (https://www-genesis.destatis.de/genesis/online;jsessionid=0C7BE36E1FC1F4DA539F71CBDFEDBBD1.tomcat_GO_1_3?operation=previous&levelindex=2&levelid=1534769676219&step=2)

Es kann natürlich sein, dass ein Teil des Stroms ins Ausland verkauft wurde. Netto wurden allerdings im selben Jahr 19% erzeugt (ebd.). Was die Waffenexporte beträfe, auch und vor Allem die geächteten Waffen wollen wir an dieser Stelle auch lieber schweigen was Deutschland betrifft…

Aber hier nochmal ein Auszug aus den Kriterien:

Waffen und Rüstung

Hauptaspekte sind die Nicht-Ratifizierung der Antipersonenminen- sowie der Streumunitionskonvention. Weitere Aspekte sind die Nicht-Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrags, der Bio- und der Chemiewaffenkonvention, des Vertrags über den Waffenhandel sowie des Übereinkommens über bestimmte konventionelle Waffen. Ein weiteres Kriterium ist außerdem, wenn Staaten mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für ihr Rüstungsbudget ausgeben.

Hier könnte Deutschland wieder mitreden, da die entsprechenden Verträge untereschrieben wurden und der Verteidigungshaushalt unter 2% des BIP bleibt.

Die Kriterien für Nachhaltigkeitsfonds sind im Artikel der Süddeutschen Zeitung ähnlich derer von Finanztest (https://www.sueddeutsche.de/geld/geldanlage-so-erkennen-sie-nachhaltige-fonds-1.3957941). Hier wird auf 3 Indizes verwiesen:

Zu den am häufig genutzten Indizes gehören der Dow Jones Sustainability Screened, der MSCI KLD 400 und der MSCI World SRI. Bei letzterem – das Kürzel SRI steht für Socially Responsible Investments – müssen die ausgewählten Firmen über ein hohes Rating in den EnvironmentalSocialGovernance-Bereichen verfügen. “  Allerdings bewertet die Verbraucherzentrale diese Indizes als unzreichend:

Deutschlandfond nicht nachhaltig

Auch von politischer Seite kommen Forderungen auf, zur besseren Tranzparenz Label zu vergeben. Ein Mitglied der 20-köpfigen Expertengruppe für nachhaltigere Finanzwirtschaft, Anne-Catherine Husson-Trarore formuliert es so:

„Die EU will ein glaubwürdiges Verfahren entwickeln, das Anlegern vertrauenswürdige Anlagemöglichkeiten aufzeigt.“ Es geht darum, das Europäische Finanzsystem nachhaltiger zu gestalten. (Aus: Öko Test, April 2018, S.123). Bis 2019 soll es das neue EU Label, ähnlich dem blauen Engel, geben (ebd.). Ulrike Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen wäre schon einmal froh, „wenn die Begrifflichkeiten geklärt wären und es einheitliche Mindeststandards gäbe“ (ebd.).

Die Verbraucherzentrale Deutschland meldet, es gäbe nur einen Aktienfond aus 46, der konsequent alle Problembranchen meide. Sie beruft sich auf eine Studie von Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale Bremen von September 2014. Die Kriterien sind auch schon die o.g. In dieser Hinsicht scheinen die Tester sich einig zu sein, nicht hingegen die Fondmanager:

  • 39 von 44 untersuchten Investmentfonds, die in Unternehmensaktien oder -anleihen investieren, schließen nicht die klimaschädliche Kohle- und Ölindustrie aus.
  • Acht nachhaltige Investmentfonds garantieren nicht, dass kein Geld mit Investitionen in Kriegsgerät wie Panzer oder Waffen verdient wird.
  • Fünf getestete Fonds lehnen Kinderarbeit nicht explizit ab.

Umgekehrt sind alle von Stiftung Warentest geprüften Fonds sich einig, Firmen, die international geächtete Antipersonenminen und Streumunition herstellen, nicht in ihr Portfolio aufzunehmen.

Dennoch konnte Stiftung Warentest zusammen mit der Verbraucherzentrale Bremen anscheinend einige Fonds zusammenstellen, die nicht nur in Bereiche wie erneuerbare Energien investieren, sondern konsequent Unternehmen ausschließen, die aus der Kohle- und Ölindustrie stammen.

Hier die Übersicht:

Deutschlandfond nicht nachhaltig

Wie man sieht, erfüllt nur der ÖkoWorld Ökovision Classic C die Anforderungen zu 100%. Allerdings ist er einer der teuersten Fonds mit vergleichsweise mittleren Werteentwicklung. Der Fond mit der höchsten Wertentwicklung ( DKB Ökofonds TNL) ist auch einer der teuersten, wenig transparent, da über die Investition erst im Einzelfall entschieden wird. Immerhin investiert er in Erneuerbare Energien. Erwähnt sei noch der GreenEffects NAI-Wertefond. Auch dieser ist ein Thesaurierender Fond. Dafür ist er relativ günstig mit der zweithöchsten Entwicklungsrate.  Immerhin erfüllt er 70% der Klimakriterien, obwohl er nicht direkt in erneuerbare Energien investiert.

Zur Untersuchungsmethodik schreibt die Verbraucherzentrale Deutschland:

Für die Untersuchung erhielten die Fondsgesellschaften einen umfangreichen Fragebogen. Die in der Untersuchung veröffentlichten Fondsdaten zu den Nachhaltigkeitsansätzen stammen von den Anbietern selbst. Um nach ihren jeweiligen Kriterien nachhaltige Titel auszuwählen, arbeiten die Anbieter mit Agenturen zusammen, die Firmen und Staaten nach ethischen und ökologischen Kriterien bewerten. Sie verlassen sich dabei oft auf die Angaben der Unternehmen. Ethisch-ökologische Investments sind daher spätestens an dieser Stelle auch in dieser Untersuchung Vertrauenssache.

Text aus der Verbraucherzentrale hier:

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/ethischoekologische-aktienfonds-so-legen-sie-sauber-an-6873

 

Remonno

Theologe, Lektor, Gemeindepädagoge

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